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Trennung, Scheidung

Aller Ehe-Ideologie zum Trotz: Trennung ist normal, wo Scheidung durch Gesetz nicht verboten ist. Wenn ein Paar zusammengeht, dann ist nicht vorhersehbar, wie die Beziehung nach 10 oder nach 20 Jahren aussieht - wenn sie überhaupt so lange hält. Und eine 'gute' Beziehung (was auch immer das Paar unter guter Beziehung versteht) ist nicht 'machbar', auch wenn man durch eigene Absicht und eigenes Verhalten dazu beitragen kann. Menschen können sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln, ohne dass man diesen Prozess steuern kann und irgendwann einmal kann die Einsicht kommen: Wir passen nicht mehr zusammen.

Dies ist an sich schon keine leichte Zeit; sie kann aber traumatisch werden, wenn Enttäuschung und Verletzungen hochkochen und in Abneigung und Hass enden. Dann gibt es Kampfscheidungen, bei denen nur noch versucht wird dem Partner zu schaden und für sich möglichst viel rauszuholen und man hat völlig vergessen, dass man sich mal geliebt oder zumindest gemocht hat.

Wenn die Beziehung durch Streit und Missverstehen vergiftet und eine Trennung unausweichlich erscheint, dann sollte es Sinn einer guten Beratung sein, Achtung und Bereitschaft zu verstehen beizubehalten und Groll und Ärger zu lösen. Je mehr negative Gefühle gegenüber dem Ex-Partner beibehalten werden, desto weniger gelingt es, sich auch innerlich zu trennen. Die gemeinsamen materiellen Güter sollten mit Fairness und Grosszügigkeit getrennt werden. Ein besonderes Kapitel sind gemeinsame Kinder. Wenn nicht schwerwiegende Gründe dagegen sprechen, sollte immer ein gemeinsames Sorgerecht angestrebt werden - auch wenn man nicht mehr ein Paar ist, bleibt man doch Eltern. Frauen sollten niemals die Kinder als Waffe gegenüber dem Mann verwenden und den Vater schlecht machen oder gar das Besuchsrecht hintertreiben - das Kind braucht die Mutter und den Vater.

Wenn der Gedanke an Trennung bei einem Paar immer wieder hochkommt, aber noch nicht entschieden ist ob oder nicht, und das Paar sich so in einen quälenden Zwiespalt befindet, dann ist es sinnvoll, unter Beratung auszutesten, wieviel Liebe und Bereitschaft noch vorhanden ist und ob noch eine Wendung ins Positive möglich erscheint. Doch selbst wenn man sich dann zu einer Trennung entschliesst, fällt die Trennung leichter, wenn man nocheinmal sein Bestes gegeben hat.

Eine Trennung kann einvernehmlich sein und mit Achtung und Liebe vollzogen werden, im optimalen Fall mit Dankbarkeit. Jede Beziehung, auch eine schwierige, stellt ein wichtiges Erfahrungsfeld dar, in dem man wachsen und reifen kann. Der Partner ist derjenige, dem man dieses Erfahrungsfeld verdankt und es ist nie verkehrt, bei einer Trennung - zum Beispiel im Rahmen eines Trennungsrituals - dem Partner zu danken für die guten Zeiten und für das Erfahrungsfeld, in welchem man selbst und der Partner sich entwickeln konnten. Solch ein Trennungsritual kann im Verlauf einer Trennungsberatung durchgeführt werden.

Eine gute Beratung kann dazu beitragen, eine Trennung mit Fairness, Wohlwollen und möglichst wenig seelischen Wunden zu vollziehen. Dies ist für das einstige Paar, aber auch für etwaige Kinder die allerbeste Lösung.